Ein Fab Lab für St. Pauli

Das Fab Lab ist ein innovativer, kreativer und sozialer Ort nicht nur für Anwohner_innen, sondern für alle Hamburger_innen und auch für Besucher_innen. Wir wollen mitten in der Stadt Leben und Arbeiten in einer neuen Weise verbinden, Wissen vermitteln und Perspektiven für eine andere Stadt schaffen. Im Einzelnen setzt „Fabulous St. Pauli“ folgende Schwerpunkte:


Eine offene Bildungsstätte etablieren

Das Fab Lab ist keine „Bastlerbude“, sondern ein Ort des gemeinsamen Lernens und der Wissensvermittlung mit Werkstatt, Seminarraum, Computerarbeitsplätzen und Café. Eingeladen zu lernen, auszuprobieren, selbst zu produzieren und erworbenes Wissen weiterzugeben, sind alle – ob Rentnerin aus der Nachbarschaft, kreativer Freischaffender, Studentin, Handwerkerin, Jugendlicher aus dem Stadtteil oder Universitätsprofessorin. Ein wichtiger Teil des Konzepts sind Bildungsangebote und Workshops, die regelmäßig für Schüler, aber auch für Hausfrauen, Heimwerker und Elektronikfreaks angeboten werden.

Ziele und Inhalte der Kurse orientieren sich am Bedarf der Menschen und decken neben technischen und gestalterischen auch gesellschaftliche Themen ab. Während z.B. Schüler_innen in einem Textilworkshop ihren Pullover mit MP3-Player-Funktionen versehen können und dabei auf anschauliche Art Grundlagen der Elektrotechnik vermittelt bekommen, lernen Hobbygärtner_innen, wie sie sich eine vollautomatische ressourcensparende Bewässerungsanlage für ihren vertikalen Balkongarten bauen können.

Die Bandbreite an Themen, Materialien und Techniken ist groß. Deshalb wollen wir auch Experten von außerhalb einladen und die Zusammenarbeit mit anderen Bildungseinrichtungen etablieren. Kindergärten, Schulen, Hochschulen und andere Institutionen können die Räume und Geräte des Fab Labs für eigene Kurse mieten. Da das Fab Lab nicht profitorientiert ist und gemäß der Grundidee für alle offen, werden die Lösungen, die im Laufe der Zeit im Fab Lab entwickelt werden, als offene Dateien im Fab-Lab-Wiki für alle zugänglich gemacht. Dies bedeutet gleichzeitig, dass die Fab-Lab-Nutzer auch von Ideen aus anderen Fab Labs lernen können.


Perspektiven für Kinder und Jugendliche bieten

Das Fab Lab soll als offener Ort im Stadtteil verankert sein und Kindern praxisrelevante Themen und Wissen anschaulich machen.

Kinder lernen das Lab früh kennen, wachsen damit auf und erkennen durch praktisches Ausprobieren, wozu sie fähig sind, woran sie Spaß haben, aber auch welche Fähigkeiten nützlich sind. Das Fab Lab eröffnet Raum für unkommerzielles Experimentieren, stärkt Strukturen der Selbstermächtigung, motiviert zum selbständigen Tätigwerden und fördert die Zusammenarbeit in Teams. Im Fab Lab werden Produktionsprozesse transparent und Verantwortlichkeiten sichtbar gemacht.

Kinder und Jugendliche können hier also Vieles für ihre eigene Entwicklung und für spätere Berufe lernen. Darüber hinaus sollen langfristig Arbeitsplätze, die rund um das Fab Lab entstehen, auch benachteiligten Jugendlichen aus der Umgebung eine Zukunftsperspektive geben. Dies kann gelingen, weil das Fab Lab im Stadtteil verankert ist, einen offenen Zugang hat und praxisrelevante Themen und Wissen anschaulich macht. Produktionsbetriebe, in denen dieser offene Einblick ohne starre Konventionen und ohne gegenseitige Vorurteile möglich ist, sind in der Stadt quasi nicht mehr vorhanden.


Einen Knotenpunkt für die innerstädtische Produktion bilden

Die Produktion von High- und Low-Tech-Konsumgütern wird persönlich und passiert direkt in der Stadt, dort, wo die Konsumenten leben. Produzieren lassen sich: individuelle Objekte für den alltäglichen Bedarf; Gegenstände, die es nicht mehr gibt; Dinge, die man sich sonst nicht leisten oder gar nicht erst irgendwo finden kann; aufwendige Bauteile, um eine Idee auszuprobieren; oder nicht mehr lieferbare Ersatzteile für defekte Geräte. Im Fab Lab können Gegenstände repariert werden, die ansonsten im Müll gelandet wären.

Da das Fab Lab von sehr unterschiedlichen Leuten besucht wird, ist es als Ort der Kommunikation auch ein Ort für ungeplante Begegnungen, spontane Aktionen und inter-„gewerkliche“ Zusammenarbeit. Jeder bringt ein, was er kann. Es entstehen neue Produkte, die es ohne den Austausch unterschiedlicher Leute nicht geben würde.

Damit ist das Fab Lab ein Nährboden für neue Ideen. Neben dem materiellen Output der erstellten Produkte gibt es auch einen immateriellen Output wie z.B. die Wissensproduktion, den Wissenstransfer, die Demokratisierung der Produktion und das gute Gefühl, etwas selber gemacht zu haben.


Lokale Ökonomien schaffen und stärken

Das Konzept und die Gestaltung von „Fabulous St. Pauli“ ist gemäß der internationalen Fab Lab Charter nicht profitorientiert. Es bietet aber durchaus die Möglichkeit, über Einzelstücke hinaus gegen eine Nutzungsgebühr schnell, flexibel und ohne große Investitionen und Risiken Kleinserien herzustellen, die in den Läden der Nachbarschaft verkauft werden können. Denkbar sind darüber hinaus neue lokale Zuliefer- und Dienstleistungsbetriebe und eine Online-Vermarktungs-Plattform für lokale Fab-Produkte. Damit holt das Fab Lab auf eine zeitgemäße und flexible Art die Produktion wieder mitten in die Städte zurück. Die Stadt ist unsere Fabrik.


Innovative Lösungen für gesellschaftliche Fragen entwickeln

Langfristig wollen wir im Fab Lab auch Lösungen für dringende Probleme der Stadt entwickeln. Neben der Entwicklung von Produkten ist die Änderung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ein wichtiges Thema. Wir brauchen nachhaltige und innovative Lösungsansätze für Probleme in den Bereichen: Energie (Energy Lab), Müll (Recycling Lab), Verkehr (Mobility Lab) oder Gardening (Botanic Lab). Es ist ein wichtiges Anliegen des Fab Labs, die neuen technischen und materialbedingten Möglichkeiten für wichtige gesellschaftliche Fragen nutzbar zu machen. Damit möchte das Fab Lab einen Wissenstransfer anregen, der die Bereiche Mensch, Technik und Gesellschaft umfasst.

Wo, wenn nicht auf St. Pauli, wäre ein besserer Ort, um mit der Idee einer selbstbestimmten Produktion und gemeinsamen Lernens loszulegen? St. Pauli ist von jeher ein Ort gewesen, an dem die unterschiedlichsten Menschen miteinander gelebt haben und eigenen Vorstellungen von einem guten Leben gefolgt sind. Es ist aber auch ein Stadtteil, der zuletzt wie kaum ein anderer von einer unsozialen Aufwertung erfasst worden ist.

Es ist kein Zufall, dass der Ruf nach einem „Recht auf Stadt“ hier besonders laut zu hören ist. Initiativen haben hier begonnen, der Investorenarchitektur auf St. Pauli  eine eigene, neue Stadtentwicklung durch alle, für alle entgegenzusetzen. Dazu gehört nicht nur bezahlbarer Wohnraum, sondern auch der Aufbau einer lokalen Ökonomie, an der alle Bewohner_innen teilhaben können.

Denn: Die Stadt ist unsere Fabrik.

 

 

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